Das System
Die Lösungen für die drängendsten Probleme unserer Kommunen existieren bereits: in Laboren, in Start-ups, in Pilotprojekten, oft schon in der Nachbargemeinde. Was fehlt, ist das System, das sie dorthin bringt, wo sie gebraucht werden.
Das Diagramm zeigt etwas, das auf den ersten Blick paradox wirkt: Der Druck auf unsere Kommunen ist hoch, und er wächst. Klimakrise, Wohnungsnot, marode Infrastruktur. Der politische Wille, etwas zu tun, ist da. Und trotzdem kommen funktionierende Lösungen kaum an.
Drei Bremsen, die sich gegenseitig verstärken
Jede Kommune entwickelt Lösungen neu, als hätten andere nicht bereits Jahre daran gearbeitet. Das kostet Zeit, die niemand hat. Die Bürokratie, Vergaberecht, Förderbedingungen, Zuständigkeitsgrenzen, ist für Stabilität gebaut, nicht für Geschwindigkeit. Und das Geld, das Transformation finanzieren könnte, findet seinen Weg nicht: Privates Kapital scheut kleine, ungleiche Projekte, öffentliche Förderprogramme sind komplex, kommunale Haushalte sind knapp.
Das Ergebnis ist kein Versagen einzelner Menschen. Es ist ein System, das sich selbst blockiert.
Lösungen aus dem Regal
.GUT setzt an den drei Stellen an, die das Diagramm als Engpässe zeigt. Aber nicht mit dem nächsten Pilotprojekt in der nächsten Stadt. Sondern mit einem Regal, aus dem tausende Kommunen fertige, erprobte Lösungen beziehen können.
Lösungen werden nicht für eine Kommune entwickelt, sondern so beschrieben, dass sie überall funktionieren. Das Bürokratieproblem wird einmal gelöst, mit Vergabeweg und Förderlogik, und das Ergebnis steht allen Kommunen zur Verfügung. Und die Finanzierung wird von Anfang an als Teil der Lösung gedacht, nicht nachträglich zusammengesucht.
Dass das funktioniert, zeigen die Rahmenvereinbarung des GdW für serielles Bauen, die modularen Schulbauten in Berlin und die Hamburger Häuser. Jeweils für einen Träger. .GUT macht das für alle Kommunen.

Konfigurieren statt entwickeln
Jede Lösung, die diesen Weg durchläuft, ist danach wiederholbar. Nicht als Blaupause, die jede Kommune erst anpassen muss, sondern als fertige Einheit, die sie konfiguriert statt entwickelt: Größe, Grundstück, Wärmequelle werden eingestellt, alles andere ist beschrieben, vergabefertig und mit einem Finanzierungskonzept aus Förder- und Privatmitteln unterlegt. Das ist der Unterschied zwischen einem Pilotprojekt und einer Lösung, die man beschaffen kann.
Vom Ratsbeschluss zum Rahmenvertrag
Der Weg von vielen einzelnen Vorhaben zu einer gemeinsam beschaffbaren Lösung führt über drei Stufen.
Bündeln
Kommunen, die dasselbe planen, finden zusammen. Was heute in tausend Rathäusern getrennt voneinander läuft, wird als gemeinsamer Bedarf sichtbar: wie viele Kommunen gerade eine Schule bauen, ein Wärmenetz erneuern, ein Bad sanieren. Die Kommunen tauschen Erfahrungen aus, lernen voneinander und treten gegenüber Anbietern und Kapitalgebern als Gruppe auf. Bündelung ist die Grundlage für alles Weitere, denn erst eine gezählte, gemeinsame Nachfrage macht Standards und gemeinsame Beschaffung möglich. Und erst sie macht privates Kapital erreichbar: Ein einzelnes Bad finanziert kein Investor, dreißig gleiche Bäder schon.
Standardisieren
Sobald genug Kommunen dasselbe planen, beginnt die Standardwerkstatt. Die Kommunen beschreiben gemeinsam, was die Lösung können muss. Anbieter sagen, was davon heute lieferbar ist, und richten ihre Lösungen daran aus. Das Ergebnis ist ein offener Standard: Anforderungen, Vergabeweg, Finanzierung. Er trennt, was für alle gilt, von dem, was jede Kommune selbst einstellt. Zum Standard gehört ein Finanzierungskonzept: welche Förderung passt, was die Kommune selbst trägt, und an welcher Stelle private Investoren einsteigen. Weil der Standard für viele gleiche Vorhaben gilt, können sie das für alle auf einmal prüfen statt für jedes einzeln.
Beschaffen
Kommunen, die den Standard nutzen wollen, schreiben gemeinsam einen Rahmenvertrag aus. Ein Verfahren statt hundert. Danach ruft jede Kommune ab, was sie braucht, mit fertigem Finanzierungskonzept und ohne eigene Ausschreibung. Anbieter bewerben sich einmal und liefern an viele. Und Investoren finanzieren nicht ein Projekt, sondern eine Serie. Von den Einsparungen profitieren alle.
Wer den Auftrag gibt, und wer bezahlt
Das Modell funktioniert nur, wenn alle drei Seiten gewinnen. Kommunen bekommen Lösungen, die sie allein nicht beschaffen könnten, mit weniger Aufwand, geringeren Kosten und einem Finanzierungskonzept, das schon steht. Anbieter bekommen einen Markt, den sie nicht Kommune für Kommune erobern müssen. Kapitalgeber bekommen Projekte, die groß und gleich genug sind, um Kapital aufzunehmen.
Auftraggeber sind die Kommunen. Sie entscheiden, welche Vorhaben gebündelt werden, was der Standard verlangt und ob sie danach beschaffen. Bezahlt wird .GUT im Rahmen dieses Prozesses von der Anbieterseite: für die Arbeit am Standard, und beim Rahmenvertrag mit einem Anteil der Einsparungen, die Standard und Bündelung schaffen. Für Kommunen ist der Weg zum Standard kostenlos. Anbieter kaufen damit keinen Einfluss, sondern die Möglichkeit, an einem Markt teilzunehmen, dessen Regeln die Kommunen setzen.
Was .GUT deshalb nicht verkauft: Nachfrage. Keine Kontaktdaten, keine Listen, keine Vermittlung von Aufträgen. Genau deshalb reden Kommunen mit uns, und genau deshalb sitzen Anbieter in der Werkstatt mit ihnen an einem Tisch.
Ein Standard gehört denen, die ihn nutzen
Ein Standard, den nur .GUT lesen kann, wäre ein neuer Engpass. Deshalb sind die Standards offen, und deshalb sind sie in einer Form geschrieben, die Kommunen und Anbieter ohne uns verwenden können.
Was in einem Standard steht
Ein Standard beschreibt, was eine Lösung können muss, nicht welches Produkt es sein soll. Er ist gegliedert in Bereiche, bei einer Schule etwa Gebäude, Energie, Ausstattung, Außenflächen und Betrieb. Je Bereich stehen die Anforderungen und woran man ihre Erfüllung prüft. Dazu kommen der Vergabeweg und das Finanzierungskonzept. Und er trennt, was für alle Kommunen gilt, von dem, was jede selbst einstellt: Größe, Grundstück, Wärmequelle.
Dieses Format heißt OpenM3S. Es ist offen, damit jede Kommune einen Standard in ihre Ausschreibung übernehmen kann, mit oder ohne .GUT. Und es ist einheitlich, damit Standards für verschiedene Vorhaben gleich aufgebaut sind und Anbieter sie gleich lesen. Ab der verabschiedeten Fassung ist jeder Standard veröffentlicht. Alle Anbieter lesen dasselbe und bewerben sich zu denselben Bedingungen.
Wie reif eine Lösung ist
Bevor eine Kommune beschafft, muss sie wissen, ob eine Lösung schon fertig ist oder noch erprobt wird. Dafür stuft .GUT jede Lösung auf einer Skala von 1 bis 7 ein, dem Solution Readiness Level. Die unteren Stufen stehen für Idee und Prototyp, die mittleren für Lösungen, die in ersten Kommunen laufen, die oberen für Lösungen, die im Markt etabliert sind und nach einem Standard beschafft werden können. Kommunen sehen so, was sie bestellen können. Anbieter sehen, was ihnen bis dahin noch fehlt.
Von Deutschland nach Europa
.GUT beginnt in Deutschland, mit rund 11.000 Kommunen und Vorhaben, die sich überall gleichen. Aber die Vorhaben enden nicht an der Grenze. Schulen, Wärmenetze und Bäder werden in ganz Europa nach denselben Prinzipien beschafft, unter einem gemeinsamen Vergaberecht. Ein Standard, der in Deutschland funktioniert, lässt sich übersetzen. Ein Rahmenvertrag, der hier läuft, lässt sich in anderen Ländern wiederholen. Das ist der Wachstumspfad: nicht die nächste Kommune, sondern das nächste Land.
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